Passives Dehnen zur Detonisierung der Muskulatur?
Die Antwort auf die Frage gibt uns unser Körper
Seit vielen Jahren finden die Diskussionen über die passive Muskeldehnung bzw. das Streching kein Ende. Weder über die Wirkung, noch über die Ausführung der Dehntechniken besteht Einigkeit unter Therapeuten und Sportlern.
Die einen behaupten passives Dehnen entspannt (detonisiert) die Muskulatur und man sollte deshalb eher nach dem Sport dehnen, die anderen sagen, es wirkt eher tonisierend und es macht nur vor dem Sport Sinn.
Es werden also mit der gleichen Technik zwei komplett gegensätzliche Wirkungen erwartet, was aufgrund der physiologischen Abläufe in unserem Körper einfach nicht möglich ist.
Des weiteren wird oft die Meinung vertreten, dass man das Bewegungsausmaß vergrößern kann, indem man durch passives Dehnen die Muskeln verlängert. Welche Aussage zutrifft, gilt es herauszufinden.
Gerade im Bereich der Physiotherapie gelten passive Dehnungen zur Detonisierung der Muskulatur als Standardbehandlung. Die detonisierende Reaktion, die man erwartet kann aber nicht eintreten, wenn man sich einige Verschaltungswege und die intrazelluläre Reaktion der Muskelzelle ansieht.
Wirkung der passiven Muskeldehnung
In den folgenden Abschnitten werden die Wirkungen einer passiven Muskeldehnung auf physiologischer Grundlage in vereinfachter Form erklärt.
Die Muskelspindel ist ein Rezeptor in unserer Muskulatur, der die Spannungs- und Längenzustände unserer Muskeln misst. Sie liegt zwischen den Muskelzellen und besteht aus einer bindegewebigen Hülle, sowie einer sogenannten Kernketten – und einer Kernsackfaser.Ob statisch oder dynamisch gedehnt wird, macht in der Physiologie für die Muskelspindel keinen Unterschied. Die Kernsackfaser reagiert auf dynamisches Dehnen, die Kernkettenfaser auf statisches Dehnen.
Es ist von Bedeutung die Bezeichnung „Dehnung“ zu definieren. Von einer Dehnung spricht man erst, wenn das für einen Muskel derzeitige Tonus – oder Längenmaß überschritten wird. Dies geht jedoch immer mit einer Reizauslösung der Muskelspindel einher. Es kommt zu einer Reizweiterleitung über eine Nervenfaser (Ia – Faser) in das Hinterhorn des Rückenmarks. Dort kommt es zu einer (monosynaptischen) Verschaltung auf eine weitere Nervenfaser (Alpha-Motoneuron) des gleichen Muskels mit der Information „zu kontrahieren“. Es kommt somit immer zu einer Tonuserhöhung und niemals zu einer hemmenden Wirkung. Dieser Reflexkreis dient dem Schutz der Muskulatur und ist weder ausschaltbar noch vom zentralen Nervensystem beeinflussbar.
„Beim Dehnen ist ein deutlicher Widerstand zu spüren, der logischer Weise durch die Anspannung des Muskels und nicht durch dessen Entspannung entsteht. Die Entscheidung, ob ein Muskel kontrahiert oder nicht, wird immer am Alpha – Motoneuron getroffen.“ (D. Erhard, Physiotherapie med 06/2003)
Eine passive Dehnung kann einen Muskel also nie detonisieren!!





