Pech - Regel  -  ein veraltetes 1.Hilfemodell?

Eine Methode, die überdacht werden muss

Die PECH – Regel ist seit vielen Jahren ein oft angewendetes Schema zur Erstversorgung von Sportverletzungen. Auch wenn die einzelnen Schritte der PECH – Regel in der ersten Hilfe durchaus ihre Berechtigung finden, sollte die Reihenfolge und der tatsächliche Nutzen kritisch hinterfragt werden.

Was bedeutet die PECH – Regel?

 P = Pause

E = Eis

C = Compression

H = Hochlagern

Welches Ziel wurde mit der PECH – Regel verfolgt?

 Sportverletzungen werden oft von einer Schwellung, einem Hämatom und Schmerz begleitet. Die PECH – Regel verfolgte das Ziel einer Schwellung oder Einblutung entgegenzuwirken, sowie einer Schmerzhemmung. Ob dieses Ziel mit der PECH – Regel wirklich erreicht werden kann, gilt es herauszufinden.

 Um den Sinn und die Wirkung der einzelnen Schritte zu verstehen, sollte man sich die physiologischen Reaktionen im Körper vor Augen halten, die bei Verletzungen ablaufen.

 Bei jeder Verletzung kommt es zu einer Gewebeschädigung, bei der Zellen und Blutgefäße betroffen sind.  Eiweiße gelingen jetzt ungehindert aus den Blutkapillaren in den extrazellulären Raum. Da Eiweiße Wasser binden, bildet sich jetzt an der Verletzungstelle ein Ödem ( Schwellung).

 Das Grundziel wäre es die Eiweiße von der Verletzungsstelle abzutransportieren. Doch weder Kompression, noch Eistherapie, noch eine Hochlagerung können eine Verlagerung der Eiweiße, und somit einen Schwellungsrückgang, bewirken.

Das Lymphsystem ist das einzige System, das die Eiweiße und die überschüssige Flüssigkeit abtransportieren kann.

 Bedeutet das automatisch, dass die PECH – Regel sinnlos ist. Nein, natürlich nicht. Doch sollte überlegt werden, welche Maßnahme wirklich zum Einsatz kommen sollte und vor allem wann.

Die neue Formel!

 P = Pause

 Bei einer Verletzung des Bewegungsapparates sofort mit dem Sport aufhören. Es gilt die betroffene Region / Körperteil für ca. 2 Tage ruhig zu stellen, oder ausschließlich im schmerzfreien Bereich zu mobilisieren, um weitere Verletzungen zu verhindern.

 C = Compression

 Die Kompression ist als 1. Hilfemaßnahme die sinnvollste um die Exsudation zu verringern. Es kommt zu einer Erhöhung des Gewebedrucks, wodurch die Resorbtion der Eiweiße gefördert wird. Doch wichtig ist, dass es in den ersten drei Minuten nach der Verletzung passiert. Meist stehen für diesen Zeitraum nur die eigenen Hände zur Verfügung. Danach können als weitere Maßnahme Druckverbände angelegt werden.

 H = Hochlagern

In der akuten Phase kann der verletzte Körperbereich hochgelagert werden, um den venösen Rückstrom zu fördern.

 

!! Achtung: Eine Eisanwendung sollte nur im Sinne der Schmerzlinderung eingesetzt werden. Ansonsten ist die Eistherapie bei Sportverletzungen kontraindiziert !!